Für einen im Jahr 1937 Geborenen waren die ersten Kinderjahre durch Kriegs- und Nachkriegsereignisse stark beeinflusst. Das Spielen fand drinnen und draußen mit bescheidenem Spielzeugbestand statt. Ohnehin war es bei Jungen und Mädchen beliebt, die täglichen „Aufbleibezeiten“ immer weiter zu verlängern und dann möglichst bis zur Dunkelheit im Freien zu verbringen. Die erste Bekanntschaft mit dem Ankerstein hatte ich 1947. Damals beglückte mich meine Großmutter väterlicherseits mit einem besonderen Geburtstagsgeschenk. Sie übertrug mir den Spielzeugbesitz meines Vaters, der nicht aus dem Krieg heimgekehrt war. Es handelte sich um 4 Ankersteinbaukästen unterschiedlicher Größe, mit der Bitte sie stets "in Ehren" zu halten. Bei meinen Freunden war ich nun fortan in den Wintermonaten ein gesuchter Spielpartner. Ich muss aber eingestehen, dass mich damals das Bauen noch nicht sonderlich fasziniert hat. Erst einige Jahre später kam dann das Interesse am Planen und Bauen. Es war von da ab in unserer Familie üblich, jede Weihnachten ein großes Gebäude im Wohnzimmer zu errichten, welches dann bis Februar stehen bleiben durfte. Diesen Brauch habe ich erst 2008 aufgegeben, nachdem ich mit der Sammlung in das Gotische Haus umgezogen bin.

Da mit der für das Gotische Haus zuständigen Behörde in Spandau keine befriedigende Lösung für eine räumliche Erweiterung gefunden werden konnte, habe ich mich entschlossen mit der Sammlung dort wegzuziehen. Ich habe alternativ ab 1.10.2016 sehr schöne, großzügige Räume in der Pichelsdorfer Straße 86, ebenfalls in Spandau, OT. Wilhelmstadt, bezogen. Dort wird neben der eigenen Ausstellung auch Sammlern von anderen, verwandten Gebieten und Gegenständen die Gelegenheit zur Präsentation gegeben. Auch können dort weiter interessierte Ruheständler, Jugendliche und Hobbysuchende erheblich mehr Möglichkeiten zum Mitspielen nutzen. Hier erfüllt sich nun mein Wunsch nach noch mehr Bautätigkeit und Pflege diese erhaltenswerten Kulturgutes.

Mit dem Interesse am Planen und Bauen, stellte sich auch der Wunsch nach mehr Kästen ein. Das kann man wohl als den Beginn meiner Sammelleidenschaft bezeichnen. Es fanden sich nun regelmäßig Ankersteine jeder Größe, Menge und Sortierung auf meinen Wunschzetteln. Der Bestand wuchs ständig an, dank auch eines damals noch relativ reichhaltigen und preiswerten Angebots in Spielzeugwarenläden (bis 1963 wurde ja noch in der DDR produziert) sowie bei Gebrauchtwarenhändlern. In der letzten Zeit konnten durch Übernehme einiger Konvolute von den Sammlern Plenge und Braune aus Berlin nennenswerte Zugänge verzeichnet werden.

Es blieb nicht aus, dass ich durch das Sammeln auch immer mehr Einblicke in die Geschichte der Ankerbausteine gewann. Es stellte sich heraus, dass das gesamte jemals hergestellte Sortiment einfach zu umfangreich ist, und so entschloss ich mich, zukünftig nur noch das Kernsortiment, das große Kaliber – 25 mm, zu sammeln. Schon bei dieser Steingröße soll es mal 1200 verschiedene gegeben haben. Dazu ist ein reiches Zubehör- und Ergänzungsprogramm entwickelt worden, von dem immer wieder mal verschollene Teile auftauchen. Wenn man die „ergattern“ kann, ist es stets eine besondere Freude. Ich habe mich dann schließlich dem CvA, dem Club van Ankervrienden, mit Sitz in Holland , angeschlossen. Dadurch gewann ich noch mehr Einblicke und mir gelang es nun auch international Nachschub für meine Sammlung zu finden. In diesem Club sind alle namhaften Sammler vertreten hier wird ständig informiert und so kommt es zu einem regen Erfahrungs-und Gedankenaustausch. Kurios ist, dass ich in diesem Club meinen heutigen Sammlerfreund, Helmuth Schulze, kennengelernt habe. Beim Studium der Mitgliederliste stellten wir fest, dass wir in unmittelbarer Nachbarschaft leben, ohne uns jemals begegnet zu sein. Es war nur ein kurzes Telefongespräch nötig und wir waren uns sofort einig, zukünftig gemeinsam zu spielen.

Mit meinem Sammlerfreund unternehmen wir regelmäßig Besuche von Treffen, Versteigerungen, Museen und Veranstaltungen rund um den Ankerstein. Wir haben dabei schon viele interessante Personen kennen gelernt. Auch unsere regelmäßig geöffnete Ausstellung wird häufig vom Publikum besucht. Zeitungen und das Fernsehen haben über uns berichtet. Wir konnten bei uns u.a. schon zwei Enkel von Ankerstein Erfinder Gustav Lilienthal, den Initiator der Neugründung der Fabrik nach der Wiedervereinigung, Herrn Prof. Dr. Plenge, Vertreter der heutigen neuen Fabrik sowie die politischen Vertreter des Bezirks bei uns begrüßen. Einem sehr guten Kontakt zur Stiftung Stadtmuseum Berlin ist es zu verdanken, dass das Märkische Museum in Berlin Mitte uns eingeladen hat, es bei Ihren Ausstellungen zu unterstützen und zu beraten.

Ganz besondere Freude bereitet es immer, wenn Besucher sich ankündigen, die selbst ausprobieren wollen, was man alles gestalten und herstellen kann. Oft sind es Schülergruppen, die mit ihren Fachlehrern die erlernten Fähigkeiten in die Tat umsetzen wollen. Dafür stehen reichlich so genannte Spielkisten zur Verfügung, mit denen eigene Planungen aber auch nach historischen Vorlagen gebaut werden kann. Neben der wichtigen Tätigkeit der Ordnung der Sammlung sind wir aber nach wie vor bemüht, selbst als „ Bauherren“ aufzutreten. Es sind unzählige Bauten verschiedener Epochen und Baustile entstanden. Besonderes Interesse hat der Nachbau der Zitadelle erweckt. Die Herausforderung dabei bestand in der Herstellung der verkleinerten Version, da ja das Original über 300 m Seitenlänge misst und uns nur ein Tisch mit 1 m zur Verfügung stand. Die Nachbildung des Spandauer Rathauses, das 2013 hundert Jahre alt wurde, stellte ein viel beachtetes Highlight dar.

Ich bin noch voller Ideen und Tatendrang. Jedoch darf ich nicht vergessen, dass man nur endlich hier auf Erden weilt und es wichtig ist, auch an eine Nachfolge zu denken. Ich habe zwar einen Sohn und einen Enkel, jedoch hat sich dort noch keine konkrete Nachfolgeregelung herausgebildet. Ich bin aber guter Hoffnung und optimistisch, dass dieses schöne Hobby ein würdiges Weiterbestehen haben wird.